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Ein zum Mythos gewordenes Schachturnier: Hastings 1895 [3]

3. und letzter Teil:

 

Das Teilnehmerfeld des Turniers umfasste die stärksten Schachspieler der Welt jener Zeit.

Die folgenden 22 Meister wurden zugelassen: Albin, Pillsbury und Steinitz (USA), Pollock (Kanada), Bird, Blackburne, Burn, Gunsberg, Lasker, Mason, Teichmann, Tinsley (England), von Bardeleben, Mieses, Tarrasch, Walbrodt (Deutschland), Marco, Schlechter (Österreich), Vergani (Italien), Janowski (Frankreich), Schiffer, Tschigorin (Russland) gemäss des historischen Fotos, auf dem 18 Spieler zu sehen sind:


Sitzend: B. Vergani, W. Steinitz, M. Tschigorin, E. Lasker, H. Pillsbury, S. Tarrasch, J. Mieses, R. Teichmann,
Stehend: A. Albin, C. Schlechter, D. Janowski, G.Marco, J. Blackburne, G. Maroczy, E. Schiffers, I. Gunsberg, A. Burn, S. Tinsley

Foto: rogerpaige.webspace.com

 

Es ist schon früh darauf hingewiesen worden, dass in Hastings die alte auf die neue Generation traf.

Tatsächlich spricht einiges für diese Einschätzung.

Eine Reihe von Spielern machte erstmals in internationalen Turnieren auf sich aufmerksam. Lasker spielte sein erstes internationales Turnier ausserhalb Deutschlands und Schlechter, Teichmann und Janowski hatten gerade erst elf Monate vor auf dem DSB Kongress in Leipzig ihr internationales Debut gegeben.

 

Und der Überraschungssieger dieses Hastings-Turniers, Harry Pillsbury, war in Europa bis dahin ein gänzlich unbeschriebenes Blatt.

 

                          

Foto: kevinspraggett.blogspot.com

 

Diesen jungen Spielern stand die alte Garde bestehend aus Blackburne, Bird, Mason, Steinitz und Tschigorin gegenüber, die mit der Ausnahme von Tschigorin alle noch gegen den ersten (inoffiziellen) Weltmeister Adolf Anderssen aus Deutschland gespielt hatten.

 

Die hier wiedergegebene nationale Zuordnung der Spieler, welche ausweislich einer Meldung der “Deutschen Schachzeitung 1895”

 

 

und des Turnierbuches von Cheshire erfolgt, erscheint dabei durchaus bemerkenswert.

Die Meister Albin, Steinitz, Lasker, Teichmann, von Bardeleben, Tarrasch, Mieses, Walbrodt, Marco und Schlechter, das heisst zehn der 22 Spieler, waren dem deutschen Sprachraum zuzuordnen und Janowski war wohl ebenso Wahlfranzose aus Polen wie Gunsberg Wahlengländer aus Polen.

 

Insgesamt hatte das englische Organisationskomitee bei der zu bewerkstelligen Auswahl der Schachspieler eine glückliche Hand.

Lediglich die Nichtberücksichtigung von Winawer aus Polen und die aus “nationalen” Gründen erfolgte Zulassung des Italieners Vergani wurden kritisiert.

Schallopp hatte seine Anmeldung zurückgezogen, weil er aus beruflichen Gründen nicht drei Wochen lang fern von Berlin sein konnte und Winawer, so wird berichtet, wollte unter einem Pseudonym spielen. Das Turnierkomitee lehnte das jedoch ab.

 

Die holländische Schachhoffnung Norman Willem von Lennep, der auf dem neunten Kongress des DSB in Leipzig als Sieger des Haupturnieres die Meisterwürde errungen hatte, und der zeitweise Schriftführer des Niederländischen Schachbundes war, wurde als Reservespieler für den Fall eines Spielerausfalles nominiert. Er sollte jedoch nicht zum Zuge kommen, weil alle gemeldeten Spieler zum Kampfe antraten.

 

 

Foto: billpriceweb.com

 

Spielzeit war Montag, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag

Jeweils zwischen 13.00 und 17.00 Uhr und 19.00 und 22.00 Uhr.

An den Donnerstagen wurden die Hängepartien gespielt.

Bedenkzeit war zwei Studen für die ersten 30 Züge und eine Stunde für jeweils fünfzehn Züge in der Folgezeit.

Die Spielzeit war damit nicht ganz so günstig gewählt, weil zu wenig Zeit für das Abendessen vorhanden war und es vorkam, dass die Spieler auf ihr Abendessen verzichten mussten.

Insbesondere der gutbeleibte Wiener Georg Marco beklagte sich, er kommen wie  als “geschlagenes Skelett” zurück.

 

Das Turnier erzielte weite mediale Aufmerksamkeit. Neben zahllosen englischen und deutschen Zeitungen waren die Reporter von vier holländischen und fünf französischen Tageszeitungen anwesend und berichteten täglich von dem Ringen der Schachmeister. Zuschauer aus Deutschland waren unter anderem Dr. Schmid aus Dresden, Minckwitz aus Leipzig und Bier aus Hamburg.

 

Am Montag, den 5. August 1895, begann die erste Runde des denkwürdigen Turniers. Zehn  der elf Partien wurden entschieden. Lediglich der jüngste Teilnehmer des Turniers, Carl Schlechter (1874-1918), remisierte gegen Pollock (1859-1896). Schlechter, gegen den zeitlebens schwer zu gewinnen war, erwarb sich bereits hier in Hastings den Namen eines “Remiskönig”.

 

 

Staunton-Figuren Serie 1895

 

Tarrasch verlor in einer klar gewonnnen Stellung gegen Mason

wegen Zeitüberschreitung. Nach dem Bericht im Turnierbuch

wies Mason (damals gab es noch Ritterlichkeit und Fairness im Schach) seinen Gegenspieler Tarrasch ausdrücklich auf die drohende Zeitüberschreitung hin, jedoch reagierte Tarrasch nicht, weil er irrtümlich glaubte, bereits seinen dreissigsten Zug ausgeführt zu haben.

Er hatte seinen Namen anstelle seines ersten Zuges in die erste Zeile des Partieformulares geschrieben. Wahrlich ein misslicher Beginn für Tarrasch.

Doch es sollte noch schlimmer für ihn kommen.

 

Einen spannenden Erstrundenkampf lieferten sich auch Pillsbury und Tschigorin.

Hier sehen wir den klaren Kampf zwischen “alt” und “jung”. Es wurde sogar  “die”  Partie zwischen den beiden besten Spielern des Turniers, wie wir am Schluss des Artikels  aus der Tabelle des Endstandes entnehmen können:

 

                      

Michael Tschigorin /  Harry Nelson Pillsbury

 

 

Tschigorin, Michael – Pillsbury, Harry Nelson [C30]


Hastings Hastings (England) (1), 1895

 

[Kommentiert von NM Hebert Pérez García  ]

1. e4 e5 2.f4 Lc5 [Pillsbury nimmt nicht das Königsgambit an, sondern er spielt ein solides System, was bis heute gültig ist.]

3. Sf3 d6

4. Lc4 Sc6 [Eine andere wichtige Variante ist 4...Sf6 5.Sc3 Sc6 6.d3 Lg4 7.Sa4 Lb6 8.Sxb6 axb6]

5. Sc3 [Man hat auch schon wie folgt gespielt: 5.c3 Sf6 6.d4 exd4 7.cxd4 Lb4+ 8.Ld2 Lxd2+ 9.Sbxd2 d5 10.exd5 Sxd5 11.De2+ Sce7 12.Lxd5 Dxd5 13.De5 usw.]

5…Sf6 6.d3 Lg4 7.h3 [oder 7.Sa4 Lb6 8.Sxb6 axb6 9.c3]

7…Lxf3 8.Dxf3 Sd4 9.Dg3! [Ein ausgezeichnetes positionelles Opfer.]

                               

                      

9…Sxc2+ [Eine interessante Alternative ist 9...De7 10.fxe5 dxe5 11.Kd1 0-0-0 12.Tf1 Thg8 13.Sd5 Dd6 14.c3 Se6 etc.]

10. Kd1 Sxa1 11.Dxg7 Kd7 [Vielleicht war genauer: 11...Tf8!?

12. fxe5 dxe5 13.Lg5 Le7 14.Tf1 Dd7 15.Lxf6 0-0-0, usw.]

12. fxe5 dxe5 13.Tf1 Le7 [besser war die Variante 13...Tg8!? 14. Dxf7+ De7 15.Le6+ Kd8 16.Txf6 Txg2]

14. Dxf7?! [Der richtige Zug ist 14.Lg5!]

14…Kc8 15.Lg5 [Man hätte auch 15.Lh6!? in Betracht ziehen können.]

15…Tf8 16.De6+ Kb8 17.Lh6 Te8 18.Dxe5 Sd7 19.Dh5 [ oder 19.Dd5 Sb6 20.Dxd8+ Txd8 21.Kc1 Sxc4 22.dxc4 a5 23.Kb1 Ta6 mit Vorteil für Schwarz.]

19…Sb6 20.Ld5 a6 [zweifellos war für Schwarz die stärkere Fortsetzung 20...a5! 21.Kc1 Sxd5-/+]

21. Kd2 Sxd5 22.Sxd5 Tg8

23. g4 Lb4+?! [Taktisch ist das eine falsche Entscheidung. Besser waren die Optionen 23...Tg6 24.Le3 Lg5=; oder 23...Lg5+ 24.Lxg5 Txg5 25.Dh6 Txd5! 26.exd5 (26.Tf8 Txd3+ 27.Ke2 Td2+! 28.Kf3 Ka7 29.Txd8 Taxd8 30.Dxh7 T8d7mit Vorteil für.) 26...Dxd5 =]

24. Sxb4 Dd4? [Ein schlimmer Fehler. Richtig war 24...Dd6!]

25. Sc2?! [Hier übersieht Tschigorin eine wichtige Variante, die zum Sieg geführt hätte. 25.Da5! Dxb2+ 26.Kd1! Db1+ 27.Ke2 Db2+ 28.Ld2+-]

25…Sxc2 26.Kxc2 Tg6 27.Ld2 Td6 28.Tf3 Da4+ 29.Kc1 Dxa2 30.Lc3 Tc6 [Vielleicht war die Fortsetzung sicherer: 30...Da1+ 31.Kd2 Dg1=]

31. Dxh7 b5 32.De7 [Ein guter Zug ist auch 32.Tf6!?]

32…Db3 [ In dieser Spielphase spielen beide etwas zögerlich. Besser wäre: 32...Kb7!?]

33. Kd2 a5?! [33...Kb7]  34.Tf5+/- [34.Df7!?] 34…Kb7 35.Tc5 [35.Dg5!] 35…Taa6 36.g5 Txc5

37. Dxc5 Tc6? [Dieser Fehler für mathematisch zum Verlust. Schwarz hätte 37...Td6 spielen sollen.]

38. Dd5+- Da4 39.g6 b4

40.g7! [Tschigorin führt die Partie überzeugend zu Ende.]

bxc3+ 41.bxc3 Da1 42. g8D Dxc3+ 43.Ke2 Dc2+ 44.Kf3 Dd1+ 45.Kg3 Dg1+ 46.Kh4 Df2+ 47.Kh5 Df3+ 48.Dg4 Df6 49.Dgf5 Dh6+ 50.Kg4 Dg7+ 51.Dg5 und Schwarz gibt auf: 1-0

                                

 

 

Endstellung:

 

 

Zum Nachspielen: http://tabladeflandes.com/visor_global/Chigorin_Pillsbury_1895.html

 

Die jungen Schachmeister und Schüler von Steinitz, wie Lasker, Tarrasch und Pillsbury hatten sich ihren Platz erobert.

 

Hastings 1895 markierte endgültig das Ende britischer Vorherrschaft im Schach.

 

 

Endstand:

 

 

 Zur Vergrösserung bitte draufklicken. 

 

Der in Hastings sozusagen aus dem Nichts erschiene Pillsbury konnte diesen Erfolg nie wiederholen, wenngleich er danach noch gute Ergebnisse erzielte.

Er starb 1906 früh im Alter von nur 33 Jahren wahrscheinlich an den neurologischen Komplikationen einer Geschlechtskrankheit.

 

Nachstehend sein Grab mit Gedenkplatte auf dem

Laurel Hill Cemetery Reading

Middlesex County Massachusetts, USA  

 

                             

Foto: hastingschess.org.uk

 

 

****************

Hier noch der link zu dem Turnierbuch:

http://www.chessville.com/downloads/ebooks.htm#Hastings1895

Quelle: Harald E. Balló

Sitges (Barcelona), im November 2011

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