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Die Schachpartie in der Neujahrsnacht


 

von Rudolf Maric aus dem Serbokroatischen

zusammengefasst und illustriert von Frank Mayer

 

Text:

 

Das Neue Jahr wird gewöhnlich gefeiert.

Wie, das hängt von den Umständen ab.

Aber es kommt doch recht selten vor, dass man die Silvesternacht vor einem Schachbrett verbringt.

 

Allerdings traf es dieses Mal mich.

 

Die jährliche Klubmeisterschaft war schon abgeschlossen.

Nur zwischen mir und Rosenberg, einem alten Mitglied, war noch eine Partie ausständig, die aufgeschoben werden musste, weil Rosenberg erkrankt war.

Ein Sieg hätte mir den dritten Platz gesichert; hätte mein Gegner gewonnen, dann wäre er nicht Letzter geworden.

 

Auf Beschluss des Klubs musste die Partie noch im “alten” Jahr und unmittelbar vor dem Jahresende gespielt werden.

Die Partie begann um 5 Uhr nachmittags, als es schon dunkel war und endete zu einer mehr als ungelegenen Zeit.

 

Dieser Umstand “schadete” mir ausserordentlich, weil ich ein Rendez-Vous im Restaurant “Zum Weissen Ochsen” mit einem bildhübschen Mädchen vereinbart hatte, die das süsse Aussehen

der Blumenverkäuferin aus dem Werk Pygmalion und die ich kurz vorher dank eines Freundes kennengelernt hatte.

 

 

Titelbild des Buches “Pygmalion” von George Bernard Shaw

 

Das Treffen mit diesem hübschen Mädchen beschäftige mich sehr.

Als ich ihr zum ersten Mal begegnete, war ich besonders “galant” und sagte ihr, dass ich sie “durchstudiert” hätte, und dass sie wie die schwarze Dame auf a5 in der Cambridge-Springs-Variante aussähe.

 

Sie schenkte mir ein hinreissendes Lächeln, und mein Freund erzählte mir tags darauf, dass sie von mir begeistert sei, weil ich in Cambridge studierte.

 

 

Universität von Cambridge – Foto: protest-kassel.de

 

Wir waren zu einer gemeinsamen Silvesterfeier verabredet – Tanz ohne Ende usw.

 

Und jetzt sollte ich statt dessen mit dem Rosenberg versauern…

 

Die Partie zog sich hin wie die sieben mageren Jahre. Je später es wurde, desto nervöser wurde ich.

 

Diese innerliche Unruhe konnte ich nur noch bewältigen, in dem ich mir ein Glas Cognac nach dem anderen genehmigte, so dass ich schliesslich nicht mehr in der Lage war, die schwarzen und weissen Figuren zu unterscheiden.

 

Oder sagen wir: fast…., denn das unablässige Ticken der Schachuhr hielt mich noch einigermassen wach.

 

 

Ich dachte dauernd an das Treffen mit meinen Traummädchen und fasste daher den Entschlusss, alles Schwarze vom Schachbrett zu eliminieren, ohne auf eigene Verluste Rücksicht zu nehmen.

 

Dann hätte ich gewonnen und könnte endlich zu meiner Verabredung eilen.

Entgegen meinen Vorstellungen blieben aber soviele schwarze Figuren auf dem Brett wie rote Ameisen.

 

Unter grössten Anstrengungen gelang mir eine günstige Stellung,

aber es blieben nur noch 15 Minuten bis Mitternacht.


 Schwarz am Zug    [Lxa7]

“Onkel” Rosenberg setzte an,  seinen 50. Zug auszuführen,  sagte dann aber plötzlich: “Ich ergebe mich, junger Mann! Schade, dass das Ende gekommen ist. Aber ich kann nicht verhindern, in fünf Zügen mattgesetzt zu werden. Ich gratuliere!”

 

Einige Minuten starrte ich auf das Schachbrett, dann auf meinen Gegner, und dann stürzte ich, fast ohne zu grüssen, die Treppen hinunter zum Taxi und zum “Weissen Ochsen”.

 

Aber es war schon zu spät.

Das Neue Jahr kam vor mir an, verteilte seine Gaben, und meine “Schwarze Dame” war im Getümmel verschwunden, wahrscheinlich voller Verachtung für den “Student aus Cambridge”.

 

Als ich auf dem Heimweg war, niedergeschlagen wie ein begossener Pudel, ging mir aber dieses “Matt in fünf Zügen” nicht aus dem Kopf.

 

 

Gemalt von Elke Rehder

Schliesslich wünschte ich alles zum Teufel.

Ich glaubte, der Alte hätte sich das ausgedacht, um die Partie “stilgerecht” aufgeben zu können.

 

Nach einigen Tagen traf ich “Onkel” Rosenberg wieder im Klub.

Ich bat ihn, mir zu erklären, was er in jener Nacht mit dem

“Matt in fünf Zügen” gemeint hätte.

Er schaute mich überrascht an und sagte tadelnd: “Junger Mann, Sie setzen mich in Erstaunen. Wären Sie Meister, was aber zum Glück noch nicht der Fall ist, würde ich verlangen, dass man Ihnen den Titel aberkennt!”

 

Ich errötete. Im Beisein einiger Klubmitglieder wurde die Position vor dem 50. Zug der schwarzen Seite wieder aufgestellt, und dann demonstrierte “Onkel” Rosenberg, was er in der Neujahrsnacht gesehen hatte:

50. ……..Lxa7:

 

51. Kxg8! gxh6 52.Tgxh6 c6 53.Kg7…f3 4.Th4+ Kxg5 5.T8h5# 1-0

[Es gibt noch mehrere Möglichkeiten zum Matt zu kommen, aber wir betrachten diese Zufolge als Hauptlinie.]


Alle waren begeistert.

 

Ich aber ergriff wortlos und etwas beschämt die Hand des alten Schachfreundes.

 

Und irgendwie tat es mir nicht mehr leid um die misslungene Neujahrsfeier.

 

 

 

********************

 

Sitges (Barcelona), Silvester 2011

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