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Ein einfallsreicher Geist

Edgard Colle
 
 
 
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Edgard Colle wurde am 18. Mai 1897 in Gent (Belgien) geboren und starb auch in seiner Heimatstadt am 20. April 1932.
Colle war ein belgischer Schachmeister und Berufspieler.
Er hatte ausgezeichnete Erfolge bei internationalen Turnieren in der Zeit von 1922 bis 1931 aufzuweisen, wobei er an über 50 Schachturnieren teilnahm.
 
 
Er gewann sechsmal die belgische Landesmeisterschaft:
1922, 1924, 1925, 1927, 1928 und 1929.
Bei der Amatuerweltmeisterschaft in Paris 1924 belegte er den 3. Platz noch vor Dr. Max Euwe.
In einem Wettkampf in Antwerpen 1925 gewann er gegen
George Koltanowski, der zu jener Zeit der zweitbeste Spieler Belgiens war, klar mit 4:0 und 3 Remisen.
Jedoch konnte er seinen grössten Erfolge bei Internationalen Turnieren wie folgt erzielen:
Amsterdam ASC 1926
 
      1. Platz
vor Dr. Savielly Tartakower und Dr. Max Euwe.
Meran 1926
 
      1. Platz
vor Spielern wie Dawid Przepiórka, Rudolf Spielmann und Dr. Savielly Tartakower
Courtesy Arqto. Roberto Pagura, Buenos Aires
Meran 1926
Scarborough 1927
 
      1. Platz
vor Fairhurst,William Albert und Yates,Frederick
London 1927
 
copyright rogerpage.me.uk
Edgard Colle stehend der 3. von rechts.
 
 
Hastings 1928/29
 
 
       1. Platz
geteilt mit Marshall und Takacs
Scarborough 1930
 
 
 
       1. Platz
vor Géza Maróczy, Akiva Rubinstein und Mir Malik Sultan
Rotterdam (December) 1931
 
 
       2. Platz
 
Edgard Colle 1931
copyright 1.bp.blogspot.com
 
Rotterdam 1931
 
Von links nach rechts:
Akiva Rubinstein, Salo Landau, Edgar Colle, Savielly Tartakower
copyright scacchierando.net
******************
Und letztendlich wollen wir natürlich auch noch einen Blick auf das
 
„Colle-System“
 
copyright chessbase.de
selbst werfen.
 
 
Wie kam Colle auf sein System?
 
Glücklicherweise haben wir eine detaillierte und lehrreiche Beschreibung, wie Colle seine nicht zerstörbare Eröffnung fand. Dank Dr. Max Euwe, der die Geschichte, wie das
Colle-System zustande kam, in dem Buch “Gedenkboek Colle/Memorial Colle” (Liège 1934) erzählt, das heute eine Rarität ist.
 
In aller Kürze ist hier Euwe’s Ausführung:
Colle suchte nach einer Eröffnung ohne lange und ermüdende theoretische Varianten, was kreative Angriffspieler seinerzeit, ebenso wie heute, störte.
Das war der Grund, dass er sich entschied, auf 1. e4 Eröffnungen
zu verzichten – sie sind alle bis zum 10. Zug zu gut bekannt.
Er schaute sich 1. d4 an und bemerkte, dass die frühe Entwicklung des weissen schwarzfeldrigen Läufers im Damengambit zu seinem Abtausch mit unvermeidlichen Vereinfachungen führt – günstig für Schwarz.
(Wie in Lasker und dem orthodoxen Damengambit.)
Also entschied Colle, den Lc1 bis zum Mittelspiel auf seinem Ausgangsfeld zu belassen.
Die ersten 3 Züge des Systems waren nun festgelegt:
1. d4   2. Sf3   3. e3
 
Aufgrund des Fehlens der im Damengambit üblichen Fesselung
Lg5/Sf6 mit verstärktem Druck auf den Bauern d5 – beschloss
Colle, nicht c2-c4 zu spielen (zuletzt früh in der Eröffnung), sondern sein Hauptziel wurde der e3 – e4 – Vorstoss in dem Moment, wenn Weiss den Punkt e4 kontrolliert.
 
Dies ist die „klassische Ausgangsstellung“ im Colle-System.
 
Sie kann entstehen nach den Zügen (oder auch anderen Varianten) :
1. d4 d5 2. Sf3 Sf6 3. e3 e6 4. Ld3 c5 5. c3 Le7 6. 0-0 0-0 7. Sbd2 c4 8. Lc2 Sc6 9. e4 !
 
 
 
 
Der Bauernvorstoß e3-e4 ist der Schlüsselzug im Colle-System !
 
Damit werden Linien und Diagonalen für die weißen Figuren in Richtung schwarze Rochade-Stellung freigelegt !
Das weiße Läuferpaar spielt bei Colle’s Grundidee eine entscheidende Rolle !
Wie Schwarz auch immer fortsetzt, Weiß verfügt über eine große Anzahl subtiler Ideen, die, wie es Weltmeister Aljechin damals bereits treffend formulierte:
„…nicht ohne Gift sind !“
 
Nachfolgend eine Beispiel-Partie, die Edgard Colle 1926 in Gent gegen den Franzosen Robert Crepeaux spielte:
(1) Colle,E – Crepeaux,R [D05]
 
Gent (10), 1926
 
[kommentiert von Schumacher,Klaus]
1.d4 d5 2.Sf3 Sf6 3.e3 e6 4.Ld3 c5 5.c3 Sc6
 
[5…c4?! 6.Lc2 b5 7.Sbd2 Sc6 8.e4!
Angesichts der schwarzen
Bauernformation macht es ohne Zweifel Sinn, das Zentrum zu öffnen.
8…dxe4 9.Sxe4 Sd5 10.De2 Sce7 11.a4
Ld7?? darf das wahr sein? 12.Sd6# 1–0 Acevedo-R.Vera, Asunicon 1999]
6.Sbd2 [6.0–0 Ld6 7.Sbd2 0–0 8.De2
c4?! 9.Lc2 Dc7 10.e4 dxe4 11.Sxe4 Sxe4 12.Dxe4 f5 13.De2 Se7 14.Se5 Lxe5 15.dxe5 b5 16.a4! Weiß unterminiert erfolgreich die schwarzen Damenflügelbauern. 16…bxa4 17.Txa4 Sg6 18.f4 Db6+ 19.Le3 Dxb2 20.Dd2
Db5 21.Tb4 Dd7 22.Td1 Dxd2 23.Txd2 a5 24.Txc4 Lb7? 25.Tc7 1–0 D.Kruck-Matz, Schwäbisch Gmünd 2000]
6…Le7 7.0–0 c4?!
 
Dies ist ein häufig vorkommender Fehler. Schwarz vertreibt den Läufer von seinem Traumfeld und will einen Bauernsturm am Damenflügel starten. In der Realität hat sich nun aber die Lage im Zentrum verändert. Da Schwarz nun keinen Druck mehr gegen den d4-Bauer ausübt, kann Weiß das Spiel mit e3-e4 vorteilhaft öffnen.
8.Lc2 b5 9.e4!
 
Der Vorstoß des e-Bauers führt zu Linienöffnungen für die weißen Figuren.
9…dxe4
 
[Auf 9…0–0 folgt 10.De2 mit der Absicht e4-e5, Tf1–e1 und Sd2-f1 mit weißem Vorteil.]
10.Sxe4 0–0 11.De2
 
Nun droht 12.Sxf6 Lxf6 13.De4 mit Doppelangriff auf c6 und h7.
11…Lb7 12.Sfg5
 
Colle findet einen Weg, den Druck weiter zu erhöhen und droht
entscheidend 13.Sxf6 Lxf6 14.Lxh7+ Kh8 15.Dh5.
12…h6?
 
[Nötig war 12…g6 wonach Schwarz aber wegen der schwarzfeldrigen Schwächen auf f6 und h6 auch nicht zu beneiden ist. Eine plausible Fortsetzung wäre 13.Sxf6+
Lxf6 14.Se4 Le7 (oder 14…Lg7 15.Sc5 Dc7 16.Le4) 15.Lh6 Te8 16.f4 mit weißem Vorteil.]
13.Sxf6+
 
Stellung nach 13. Sxf6+
 
 
 
 
Schwarz kann sich anschließend drehen und wenden wie er will, in allen Abspielen wird er einfach matt gesetzt !
 
13….Lxf6
 
[Schlecht ist 13…gxf6? 14.Sh7 f5 (oder 14…Te8? 15.Dg4+ Kh8 16.Sxf6! Lxf6 17.De4 Kg8 18.Lxh6+-) 15.Sxf8
Lxf8 16.Lf4 und die Mehrqualität sollte Weiß den Sieg garantieren.]
 
 
14.De4 g6 15.Sxe6!! fxe6?
 
Nun wird Schwarz zerlegt.
 
 
[Die einzige Chance, den Kampf fortzusetzen war 15…Sxd4!? nach 16.Dxb7 Sxe6 17.Lxh6 steht Weiß mit einem Mehrbauern und dem Läuferpaar aber auch klar besser.]
 
 
16.Dxg6+ Lg7 17.Dh7+ Kf7 18.Lg6+ Kf6 19.Lh5!
 
Nach dem feinen Läuferrückzug droht entscheidend das Damenschach auf g6.
 
 
19…Se7 20.Lxh6! Tg8
 
[Oder 20…Lxh6 21.Dxh6+ Kf5 22.g4+ nebst matt.]
 
 
21.h4 Lxh6 22.Df7# 1–0
 
 
 
 
Endstellung nach 22. Df7+ matt !
 
 
 
Die Partie bietet ein sehr anschauliches Beispiel dafür, mit welchen vielseitigen Mitteln Weiß zum Erfolg kommt, wenn erst einmal die bewusste Schlüsselstellung e3- e4 auf das Brett gelangt !
 
In der GM-Spielpraxis taucht das Colle-System relativ selten auf, da die Schachkönner verschiedentlich die Meinung vertreten, es verschaffe Weiß kaum Vorteile aus der Eröffnung heraus, wenn Schwarz genau spielt!
Aber diese Meinung gilt für jegliche Eröffnungsbehandlung und ist deshalb völlig nichtssagend!
 
Nachstehend noch ein paar erhaltene Fotos aus seinem Schachleben:
 
Paris 1924
Edgard Colle während seiner Partie gegen Hermann Mattison
 
copyright chessbase.de
 
 
Simultanvorstellung Richard Réti, Brüssel 1924
Colle stehend 2. von rechts
 
Copyright lh4.ggpht.com
 
 
Blind-Simultanvorstellung Alexander Aljechin Paris 1925
mit Edgard Colle
 
copyright gtryfon.demon.co.uk
Ihm zu Ehren legte die belgische Post 1947 eine Serie von Briefmarken anlässlich des 25jährigen Bestehens des belgischen Schachverbandes auf:
 
copyright schaakphilatelisten.be
Leider machte Edgard Colle seine Gesundheit zu schaffen und spielte oft unter grossen Schmerzen.
So musste er 3 äusserst schwierige Magenoperationen überstehen und bei der vierten Operation starb er in einem viel zu
frühen Alter von 34 Jahren.
 
Wegen seines freundlichen und bescheidenen Wesens war er in der Schachszene sehr geschätzt.
 
 
Nach seinem unerwarteten Ableben widmeten ihm sowohl
 
 
Dr. Max Euwe
 
als auch Hans Kmoch
 
 
 
bewegende Nachrufe.
 
Der Wiener Meister Hans Kmoch charakterisierte Colle in einem Nachruf als
“Schachmeister mit dem Körper eines Todgeweihten und dem Geist eines unsterblichen Helden.”
 
******************
Auf dem Hauptfriedhof von Gent ist eine Erinnerungsplatte auf seinem Grabstein eingesetzt:
und nachstehend sehen Sie ein Bild von meinem
holländischen Schachfreund Rob Bijpost (links) und Godfried Couwenbergh (rechts) von der „Motivgruppe Schach“
der COLLE-Grabstätte:
copyright Rob Bijpost, Holland
Quellen: wikipedia.org und Klaus Schumacher
Sitges (Barcelona) im April 2010

Comments

Comment from Frank Mayer
Time April 2, 2010 at 9:26 am

geheinz hat Folgendes geschrieben:
Dieser Artikel ist -genau auch wie die anderen von Frank Mayer hier vorgestellten Artikel- mit viel Liebe zur Sache gemacht und äußerst informativ!
Da gehört eine Portion Arbeit dazu, das alles zu recherchieren und mit gehaltvollen Kommentaren zu versehen.

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