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Als die Römer Latrunculi spielten

Latrunculi

Der Gedanke, auf einem Spielbrett eine Schlacht zu simulieren, ist strenggenommen nicht allzu originell, und so verwundert es nicht, daß auch die Antike ein solches dem aus Indien ähnelnden Tschaturanga kannte. Die Griechen nannten dieses Spiel Petteia oder Polis, und die Römer erweiterten das Spiel, das sie in Latrunculi, d. h. Soldaten, umtauften, um die Führungsfigur der eigenen Armee, den Aquila, d. h. den Adler, womit der Standartenträger gemeint ist, der im Imperium Romanum die eigene Legion in die Schlacht führt. Auf seiner Standarte prangte das Römische Nationalsymbol, der Adler. Die Bedeutung des Adlers als Standartenträger wird auch an der Schlachtordnung im Spiel deutlich. Die Soldaten nehmen jeweils auf der ersten Reihe Platz, der Standartenträger wird auf der 2. Reihe mittig plaziert.

Das Spielfeld konnte wie das Schachbrett 8×8 Felder besitzen, geringe Abweichungen waren aber en vogue, und auch konnte auf rechteckförmigen Spielbrettern wie 8×7 oder 8×12 gespielt werden. Beide Spieler besaßen auf der ersten Reihe ihre Soldaten, die am ehesten mit den Bauern aus dem Schach bzw. den Fußsoldaten aus dem Tschaturanga verglichen werden können. Das Spiel ist weniger komplex als das dem viergliedrigen indischen Heer nachempfundenen Tschaturanga, denn mit dem Aquila gibt es jeweils nur eine einzige ranghöhere Figur.

Die Soldaten ziehen dabei wie die Türme im heutigen Schach, d. h. sie können beliebig viele Felder vertikal oder horizontal auf ein freies Feld gezogen werden. Die Schlagregeln unterscheiden sich aber deutlich vom Tschaturanga bzw. Schach, denn eine gegnerische Figur wird nicht vom Feld genommen, wenn man auf dasselbe Feld zieht, sondern indem man eine gegnerische Figur mit zwei Steinen um die gegnerische Figur umzingelt. Diese Umzingelungsregel kommt übrigens auch im altgriechischen Seega vor, was ein Indiz sein könnte, daß die Griechen und Römer dieses im Sand gern gespielte altgriechische Militärspiel gekannt hatten. Umzingelt man eine Kette an gegnerischen Figuren, darf man die eingekesselten Figuren allesamt vom Spiel entfernen.

Wie im Tschaturanga bzw. dem Schach kommt beim Latrunculi mit dem Adler, der übrigens so zieht wie ein einfacher Soldat, einer Figur die Rolle zu, daß mit seiner Gefangennahme (auch der Adler darf nicht geschlagen werden) das Spiel endet. Damit der Adler gefangengenommen werden kann, muß dieser allerdings von allen vier Seiten umzingelt sein. Bei einer Pattsituation gewinnt die Partei mit den meisten noch verbliebenen Steinen, wird 30 Züge lang keine Figur geschlagen, gewinnt dieser Spieler ebenfalls. Wie den unterschiedlichen Spielbrettern zu entnehmen ist, dürften die Spielregeln, übrigens genauso wie in den ersten Jahrhunderten nach den Reformen im Schachspiel kurz vor der Wende zum 16. Jahrhundert, regional variieren, und sicherlich waren auch regelbetreffende Übereinkünfte der Spieler keine Seltenheit.

Das natürlich im Vergleich zu Tschaturanga oder Schach wesentlich weniger komplexe Militärspiel war im Imperium Romanum populär, und es konnte auch offen gespielt werden, weil es als reines Strategiespiel nicht dem Glücksspielverbot zur Zeit des Prinzipats anheimfiel. Wie auch das Schach in der Literatur findet das Latrunculi in der römischen Literatur Anklang. So ist ein Zitat von Seneca über die Schreckensherrschaft Caligulas mit Bezug auf das Spiel überliefert:

During the reign of Caligula, the mad emperor sentenced a noble Roman named Camus to death over a disagreement. When the centurion charged with the execution came to arrest Camus, he found him relaxing over a game of Latrunculi with friends. Camus took pause to count up the score and said, “See that after my death you don’t claim victory.” He then asked the centurion to verify that he was indeed ahead ahead by one point. Camus went calmly to his execution remarking that although others wondered endlessly if the soul was immortal, he would shortly find out.

Man wird die Römer nur verstehen, wenn man ihre Spiele kennt.

Mehr Informationen zu dem Spiel gibt es auf Schachburg: https://www.schachburg.de/threads/1601-Latrunculi-das-Schach-der-R%C3%B6mer